Batteriepflege ...

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big-one3
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Batteriepflege ...

Beitrag von big-one3 » 01.03.12, 18:35

... ich weiß nicht wie ihr es damit haltet - hier mein kleiner Erfahrungsbericht der auch mich Zweifler etwas überrascht hat ;-)

Man lernt doch nie aus :gruebel:

ArminGI hatte sich irgendwann bei einem unserer winterlichen Stammtische als Batteriefachmann geoutet und meine seit Jahren praktizierte Fürsorgepflicht, welche ich bisher dem stromspendenden Akku immer angedeihen liess, in Frage gestellt. :? Bisher hatte ich immer bei beiden Mopeds die Batterien ausgebaut, in den Keller gestellt und ans CTEK-Frischhaltegerät gehängt. Nachdem ArminGI ausführlich über das allgemeine Batterieleben und dessen Zyklen referierte und mir vieles davon einleuchtend erschien, hatte ich es diesesmal gewagt und lediglich die Batterie der SC30 über den Winter ausgebaut und wie üblich die Vergaser entleert. Da die SC40 ja inzwischen auch ihr erstes Jahrzehnt bewältigt hat und
deren Stromspender mindestens deren 5 war diesesmal u.U. sowieso mit seinem Ableben zu rechnen. Also, ich hab's gewagt und hab' zur Einwinterung - nix gemacht. Bedeutet bei der "Großen" weder die Batterie ausgebaut, ihr kein Ladegerät gegönnt, noch die Vergaser geleert sondern nach der letzten Fahrt in der 2 Novemberwoche 2011 einfach in der Garage abgestellt.
Schmusedecke drüber ;) und beiden Biggis bis zum diesjährigen Frühjahr "Tschüss" gesagt. Heute war es dann soweit. Kurz nachgedacht die Batterie der 13-er auszubauen und über Nacht mal ans Ladegerät zu hängen und diese Idee gleich wieder fallen lassen. Wenn schon denn schon, ach was soll's probieren kannste doch mal - ob sie sich wohl zum Leben erwecken lässt. :gruebel:
Einmal Knöpfchen gedrückt, der Anlasser dreht munter durch aber zünden wollte sie noch nicht. Na gut - die empfohlenen 10 Sekunden Wartezeit eingehalten und ein zweiter Startversuch. Wow, der dicke Zweiauspüffer grollte zum ersten Mal zufrieden in diesem Jahr sein so vertrautes Lied in die Welt :gg ;)
Erstaunlich was so eine Batterie doch verkraftet. :staun: Das hat mich schon etwas beeindruckt Armin, denn so richtig vertraut hab' ich diesem Experiment nicht ;-) Aber, es ist gut gegangen. ;top

Grüße big-one3

@ArminGI:
Die Batter der 1300-er hat tatsächlich nur 12 Ah und die der 1000-er ebenfalls nur deren 10Ah. Allerdings hat die 1000-er im Gegensatz zur 1300-er keine Uhr die während des Winters wenn auch wenig, so aber doch Strom zieht.
Henry Ford I. :
Denken ist die schwerste Arbeit, die es gibt...
Deshalb beschäftigen sich auch nur wenige damit..."

SirCBO

Re: Batteriepflege ...

Beitrag von SirCBO » 01.03.12, 19:49

Nach meiner Erfahrung halten Batterien eine erstaunliche Menge Quälereien aus. Meine war (bis ich den Choke entdeckt habe :mrgreen: ), mehrmals entladen (kein anspringen möglich). Daraufhin immer Ladegerät dran und dann angelassen. Einmal kam ich auf die, wie sich später rausstellt blöde Idee und hab sie über nacht ans Ladegerät gehängt. Die Säure hat morgens geblubbert und gebrodelt... :? Aber trotzdem leistet sie treu ihre Dienste und ich hab eigendlich keine Startprobleme. Über den Winter hab ich die Maschine immer mal angelassen und ein wenig laufen lassen. Immer auf Anhieb angesprungen. Auch mit den Zusatzscheinwerfern die immer wieder getestet wurden war sie mal entladen. Auch 'nen Kurzschluss mit Kabelkochen hat sie überstanden. Werde mir aber demnächst trotzdem eine Gel-Batterie zulegen.

Gruß Carsten smiley5

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FAZER-Martin
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Re: Batteriepflege ...

Beitrag von FAZER-Martin » 01.03.12, 20:05

SirCBO hat geschrieben: ...und hab sie über nacht ans Ladegerät gehängt. Die Säure hat morgens geblubbert und gebrodelt...
Dann war der Ladestrom deutlich zu hoch. Hast du ein Ladegerät für eine Autobatterie benutzt :gruebel:

Die Moped-Batterien haben nur 10Ah oder 12Ah, da darf der Ladestrom nicht zu stark sein ;nene

Mit einem geeigneten Ladegerät sind Ladevorgänge über die ganze Nacht problemlos möglich.

smiley5 Gruß, Martin

VaraResi

Re: Batteriepflege ...

Beitrag von VaraResi » 01.03.12, 20:09

Also, ich baue die Batterie im Winter nie aus und messe alle 2-3 Wochen, liegt die Spannung unter 12,5 wird geladen. Das ging bie der Varadero bislang gut. Lediglich die Batterie der Fazer hat letzten Samstag den Geist aufgegeben. Mit einem Lebensalter von mind. 7 Jahren darf sie das aber auch.
Zuletzt geändert von VaraResi am 01.03.12, 20:09, insgesamt 1-mal geändert.

motomania

Re: Batteriepflege ...

Beitrag von motomania » 01.03.12, 20:27

Das mit den Batterien ist so eine Sache für sich. Meine erfahrungen aus der Werkstattpraxis möchte ich hier nicht in Zeilenlangen Geschichte aufzählen, nur soviel, die Batterien heute sind nicht mehr das was sie früher mal waren. Da Motorrad Batterien dann doch eher immer vollgeladen (durch längere fahrten)sind, halten die Batterien den Winter über meist zu 90% durch. Wenn kein Kriechstrom fließt ist das für eine Quallitäts Batterie kein Thema. Was aber die Lebensdauer betrifft ist das eigentlich Kontraproduktiv, da ein Akku gern auch mal entladen (aber nicht Tiefentladen) werden will. Habe mich ehrlich gesagt noch Nie richtig mit dem Thema befasst, für meinen Teil überwintern meine Batterien im Winter im kühlen/warmen Keller, und werden nach dem ausbau einmal durchgeladen und im Frühjahr wieder eingebaut, funktionierte bissher immer bestends.

Vieleicht findet ja jemand was über das Thema im Netz und stellt es mal ein ;-a

---- EDIT ----

Martin ne Alte Boxer BMW (R1100/1150) hat ne 19 Ah Batterie drin ;)

Trident

Re: Batteriepflege ...

Beitrag von Trident » 01.03.12, 20:41

Meine Batterien bleiben im Motorrad! ;top

VaraResi

Re: Batteriepflege ...

Beitrag von VaraResi » 01.03.12, 20:44

motomania hat geschrieben:
Vieleicht findet ja jemand was über das Thema im Netz und stellt es mal ein ;-a
Die Frage der richtigen Batteriepflege und Überwinterung dürfte eine ähnliche Glaubensfrage wie die Wahl der richtigen Reifen sein.....frage 10 Leute und Du kriegst 10 unterschiedliche und jedes mal über alle Zweifel erhabene Tipps.
Zuletzt geändert von VaraResi am 01.03.12, 20:44, insgesamt 1-mal geändert.

SirCBO

Re: Batteriepflege ...

Beitrag von SirCBO » 01.03.12, 20:45

FAZER-Martin hat geschrieben:
Dann war der Ladestrom deutlich zu hoch. Hast du ein Ladegerät für eine Autobatterie benutzt :gruebel:

Die Moped-Batterien haben nur 10Ah oder 12Ah, da darf der Ladestrom nicht zu stark sein ;nene

Mit einem geeigneten Ladegerät sind Ladevorgänge über die ganze Nacht problemlos möglich.

smiley5 Gruß, Martin
ähm, jaaa :mrgreen: 6A Ladestrom... Aber selbst die Tortouren hat sie überstanden ;)

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XSJN
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Re: Batteriepflege ...

Beitrag von XSJN » 02.03.12, 09:04

motomania hat geschrieben: Martin ne Alte Boxer BMW (R1100/1150) hat ne 19 Ah Batterie drin ;)
:poe: ....19Ah? ....da lacht ein XS´ler ´drüber ;) :gg
MfG
XSJN + allzeit gute Fahrt, jedem mit allem
und
\"wo ein Wille, ist auch ein Weg - und wo kein Wille ist, ist auch immer ein Grund\"...

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ArminGI
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Re: Batteriepflege ...

Beitrag von ArminGI » 02.03.12, 18:53

VaraResi hat geschrieben: ... Die Frage der richtigen Batteriepflege und Überwinterung dürfte eine ähnliche Glaubensfrage wie die Wahl der richtigen Reifen sein.....frage 10 Leute und Du kriegst 10 unterschiedliche und jedes mal über alle Zweifel erhabene Tipps.
Glaubensfrage? Dabei geht es nicht um "Glauben", sondern um "Wissen"! ;)

Über Akkus und Batterien wurden zwar auch schon vor Erfindung des Internets, neben einigen Körnchen Wahrheit, stets allerlei Halb- bzw. Unwahrheiten verbreitet. Seit es das Internet gibt, ist mMn der Anteil an "Unsinn" deutlich gestiegen, da es Jedem freisteht, über seine "Akkuabenteuer" zu berichten, auch wenn diese weder fachlich plausibel, noch repräsentativ sind.

Was einerseits zur Verwirrung der User beiträgt, ermöglicht andererseits den Anbietern all dieser Auffrischungs-, Ladeerhaltungs-, Zyklierungs- und Desulfatierungsgerätschaften ein glänzendes Geschäft!

Wenn dann der User feststellt, daß all die Sorge und Pflege des Akkus unter Einsatz teurer Gerätschaften nicht die gewünschte Lebensdauer generiert, ist die Ratlosigkeit groß und er fragt sich, warum der Akku des Kumpels auch ohne großen Pflegeaufwand deutlich länger lebt. Als Antwort darauf wird dann gerne so etwas wie "Markenbashing" betrieben oder man gibt der jeweiligen Bauart des Akkus die Schuld ... mal ist es die klassische, nasse Bleibatterie, mal die nasse, wartungsfreie oder der Gel-Akku ... das ist aber Alles wenig zielführend.

Soweit ich weiß, liegt die durchschnittliche Lebendauer einer Starterbatterie bei ca. 55 Monaten, das ist ein geschätzter Wert, leider gibt`s dazu keine belastbaren Daten, sodaß nicht erkennbar ist, wie diese Zahl ermittelt wurde.

Welche Kriterien beeinflussen die Lebensdauer?
Ein Kriterium ist der Einbauort des Akkus, der zum einen darüber entscheidet, welche Temperaturen der Akku "sieht", zum anderen welchen betriebsbedingten Vibrationen er ausgesetzt ist. Auch der Schutz gegen Dreck und Feuchtigkeit spielt eine Rolle - eine verschmutzte Batterieoberfläche führt zu Kriechströmen, die die Selbstentladung beschleunigen.
Wenn wir mal sogen. Frühausfälle aufgrund von Fertigungsfehlern oder Überlagerung ohne Nachladung (Blei-Gel!) außer Acht lassen, ist die Lebensdauer eines Akkus im Wesentlichen jedoch abhängig von den individuellen Betriebsbedingungen im jeweiligen Fahrzeug, d.h. selbst Akkus gleichen Typs und Marke verbaut im gleichen Fahrzeugtyp können durchaus eine unterschiedlich lange Lebensdauer erreichen. Als Beispiel wäre hier der Kurzstreckenbetrieb zu nennen - häufige Starts senken das Ladeniveau des Akkus, da es die Lima während der kurzen Fahrstrecke nicht schafft, den Akku zufriedenstellend zu laden - und die erreichbare Zahl der Zyklen ist umso geringer, je niedriger der Ladezustand. Hinzu kommt, daß bei der Festlegung von Lima-Leistung und Akkukapazität älterer Mopeds wohl kaum berücksichtigt wurde, daß wir heute auch am Tage mit Licht herumfahren, sodaß selbst nach längerer Fahrstrecke der Akku nicht ausreichend geladen wird.

Was ist zu tun?

1) Bei älteren, nassen Bleiakkus regelmäßig den Elektroytstand kontrollieren - speziell in der Saison - und dest. Wasser nachfüllen. Aber vor einer externen Ladung, falls notwendig, den Pegel des Elektrolyten nur auf "Minimum" korrigieren - Laden verursacht eine deutliche Erhöhung des Pegels!
Bei wartungsfreien bzw. verschlossenen Akkus (Gel) entfällt dieser Punkt.

2) Nur mit einem auf die Akkukapazität abgestimmten Ladegerät laden, d.h. der max. Ladestrom sollte C/10 nicht überschreiten - z.B. ein Akku 20 Ah wird mit max. 2 A Ladenennstrom geladen. Ladegeräte für Autobatterien sind ungeeignet für Mopedbatterien, da deren Ladenennströme meist viel zu hoch sind. Zwar können Bleiakkus durchaus kurze Zeit auch mit einem Ladestrom > C/10 geladen werden, jedoch muß die Ladung überwacht und manuell beendet werden, da nach Erreichen der Gasungsspannung bei ca. 2.4 V/ Zelle (= 14.4 V), das Ladegerät den Ladestrom zwar reduziert, aber auf einen Wert, der für die Nachladephase der kleinen Batterie immer noch zu hoch ausfällt... wie war das hier mit dem Brodeln und Kochen? :roll:
Auch ein Ladegerät mit Nennstrom < C/10 kann verwendet werden - es verlängert sich nur die Ladezeit - aber die Ladequalität bleibt erhalten.

3) In der Winterpause ist ein Ausbau des Akkus normalerweise nicht notwendig, es sei denn, am Unterstellort gibt`s keinen Stromanschluß. Die Selbstentladung des Akkus ist ein chem. Prozess, d.h. sie ist temperaturabhängig - je niedriger die Temperatur, desto geringer die Selbstentladung! Von daher ist es ziemlich sinnfrei, einen geladenen Akku ins "Warme" zu bringen ... ;)
Gibt es an Bord permanente Verbraucher, z.B. eine Uhr, dann kann man entweder die dafür zuständige Sicherung ziehen oder ein Kabel des Akkus abklemmen, jedoch ziehen diese Uhren nach meiner Erfahrung Ströme im Bereich < 1 mA, d.h. über 5 Monate (Nov. bis März) max. 3600 mAh = 3.6 Ah, was zumindest meinem 19 Ah Akku keine "Schmerzen" bereitet. Wer über eine kleinere Akkukapazität verfügt, kann den Strom der Uhr messen oder halt gleich abklemmen.

4) Ein Nachladen des Akkus ist nach ca. 3 Monaten Stillstand vollkommen ausreichend, denn die Selbstentladung des Bleiakkus liegt zwischen 2% bis 10% pro Monat (abhängig von Bauart und Alter) bei 20°C, d.h. resultierend aus der Temperaturabhängigkeit dieses Prozesses bewegt sich die Selbstentladerate bei 10°C etwa bei der Hälfte der o.g. Werte. Zudem ist die Selbstentladerate degressiv in Abhängigkeit des Ladezustandes, d.h. je niedriger der Ladezustand, desto geringer die Selbstentladerate! Im Umkehrschluß bedeutet dies, daß ein 100% geladener Akku zu Anfang die höchste Selbstentladerate aufweist, d.h. es ist eigentlich garnicht so erstrebenswert, den Akku immer auf 100% zu halten...

Hier kommen jetzt die Gerätschaften ins Spiel, die permanent am Akku hängen und dafür Sorge tragen sollen, daß der Akku sich bester Gesundheit erfreut - und alleine aus den o.g. Fakten erkennt selbst jeder elektrotechn. Dummie, daß dies ziemlich sinnfrei ist! Warum sollte man einen Akku permanent laden, wenn man in der Konsequenz dafür sorgt, daß die Selbstentladung immer schön auf dem höchsten Wert bleibt?
Dann gibt`s noch die tollen Geräte, die den Akku "auf Trab halten" ;) , d.h. sie laden und entladen den Akku permanent, oft mit dem Argument, nur so würde die ach so schädliche Sulfatierung verhindert! Das ist Nonsens pur, denn zum einen wird der Akku unnötigerweise künstlich gealtert, indem man permanent Zyklen fährt - und die max. möglichen Zyklen eines Akkus sind begrenzt.
Zum anderen ist Bleisulfat ein elementares Reaktionsprodukt des Bleiakkus, d.h. die Reaktion zwischen dem Bleioxyd (PbO2) der Elektroden und dem Elektrolyten aus verdünnter Schwefelsäure (H2So4) produziert PbSo4 = Bleisulfat! Dieses Bleisulfat lagert sich bei jeder Entladung auf der Oberfläche der Elektroden ab - und wird bei der Ladung wieder in seine Bestandteile zerlegt - man kennt bei den älteren nassen Bleiakkus ja die unterschiedlichen Säuredichten eines geladenen bzw. entladenen Akkus.
Erst wenn ein Akku tiefentladen wird, sprich, ihm mehr als 80% Kapazität entnommen werden, spricht man überhaupt erst von Sulfatierung und diese ist soo wahnsinnig gefährlich auch wieder nicht - längeres Laden mit C/50 bzw. C/100 knackt diese Schicht wieder!
Übrigens, Gel-Akkkus sind wesentlich unempfindlicher bei Tiefentladung als der nasse Bleiakku.

Sodele, alle Klarheiten beseitigt? :lol:
Herzliche Grüße
ArminGI smiley5

Das Moped ist nicht das Problem, das Problem sitzt oben drauf! ;-a
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